PBP-2019
P-B-P                              A L L E Z !


                              

 

 

 

 

Bericht eines Rookies

ALLEZ | RETOUR | Nachschlag | Erfahrungen

 

 

Vier Sonnenuntergänge bis Paris . . . .

Ja, der Titel der Webseite ist irgendwie geklaut von DEM PBP Film des NDR, der mich vollends angefixt hat. Der Film ist auch eine Hommage an Claus Czycholl dem Begründer des ARA, der auch wieder gestartet ist. Ich habe den Film x-mal angeschaut, in sehnsüchtigen wie in bangen Zeiten, er half immer!

Ankunft bis Start

Ankunft in der Freitagnacht und die erste Hoffnung erfüllte sich, Zeltaufbau im Trockenen, bevor der Dauerregen kam. Samstag, Rambouillet im Regen beim Radcheck kennengelernt, aber nass gab es keine großen Erkundungen. Der Bergerie, ein gutshofartiger riesiger Bauernhof, ist eh so weitläufig, dass das Notwendige schon einige Zeit gedauert hat. Am Zelt meet and greet mit anderen Randonneuren, aber der Regen ließ Sorgen und Tristess aufkommen. Sonntagmorgen, alles ist nass, es regnet weiter - an Materialsichtung und Packen ist nicht zu denken.

Mittags erfüllte sich die zweite Hoffnung, dass von den Apps angekündigte Regenende traf ein! Sofort begannen überall die berühmten letzten Handgriffe und schon bald verlassen die ersten Starter der 80 Stunden Gruppe unter guten Wünschen den Zeltplatz, bald starten wir. Letzte Entscheidungen werden getroffen, z.B. bleibt es wirklich trocken . . . . . ja! Ok, die fette Regenjacke bleibt zurück. Gut, dass fast alle Entscheidungen zu Hause mit der Packliste getroffen wurden.

Irgendwann mussten wir los - unser gebuchtes Essen wartete. Kurz das mulmige Gefühl: Ist alles dabei?!? Gedanken, die mit jedem Meter verflogen, weil der Prozessionszug der Randonneure Richtung Start immer größer wurde. Die Bergerie brechend voll, ich musste mich nach dem Essen durchmogeln, um nicht zu spät zum Start zu kommen.

 

 

A L L E Z - SONNTAG 18 Uhr:30

Startaufstellung - von zwei Seiten werden die Startgruppen mit Randonneuren aus 69 Nationen herangeführt. Eine Kanadierin kontrolliert ihren Blutzucker, vier Südamerikaner lümmeln noch vor ihrem Wohnmobil. Die Kontrolleure werfen noch einen letzten Blick auf das Rad, drücken den Startstempel auf die Karte und los geht´s über typisch schlechte, sandige letzte Meter der Bergerie bis zum schmiedeeisernen Tor, dass uns auf den Asphalt entlässt - endlich!

Irgendwie bin ich nicht (mehr) aufgeregt?!

Bye the way, die Bilder sind nicht spitze, weil ich nur ne kleine Batterie Kamara dabei hatte.

Den Wegen der Bergerie geschuldet, wechselten auf den ersten Kilometern haufenweise Starter*innen ihre Schläuche. Zügig mit immer wechselnden Menschen wird Fahrt aufgenommen. Die Strecke ist leicht wellig, der Wind stört wenig, ab und an werden wir durch winkelige Ortsdurchfahrten gebremst. Nach 30 km auf einem Wellenkamm eine Ambulanz, eine Mahnung aufzupassen, denn es ist hektisch – zum Glück nicht eng. Unvermittelt kommt uns ein Asiate mit abgebrochener Kurbel entgegen. Die Dämmerung nähert sich, die Wellen werden länger. Doch von (großen) Gruppen ist wenig zu spüren. Immerhin schon langsame Fahrer aus Startblock "I" erreicht, wie mein Mitstreiter aus Honkong zu berichten wusste; sie waren eine Stunde vor uns gestartet. Die Route endlos gerade aus!

Nach 120 km im Dunklen bei der recht vollen Verpflegung Mortagne kurz Wasser gefasst und wieder los - keine Zeit an Kontrollen verbummeln! Doch auch auf dem Weg zur Kontrolle Villaines (220km) wollte/konnte sich keine Gruppe für länger bilden oder von hinten kommen?!?

War ich dafür zu zaghaft an den Steigungen? Ich wollte auch nicht mal in die Nähe vom „Roten Bereich“ kommen.

Evtl. zu schnell in der Ebene auf der Suche nach der großen, super Gruppe, anstatt es mal mit einer kleineren auszuprobieren?

Bis hier waren alle ganz schön mit sich selber beschäftigt und haben Dampf gemacht, waren achtsam und konzentriert, so blieb wenig Zeit für Gespräche.

In Villianes war es schon weniger voll. Kurze Gespräche beim nächtlichen Croissant. Geht der Taktik Plan auf, es zu versuchen, den Massen vorweg zu fahren?

 

 

Montag

Auch den Rest der Nacht ging es mit immer wechselnden Partnern und kurzen Gesprächen bis zum Morgengrauen nach Fougeres (310km). Auf dem Boden liegend ein Baguette weggemümmelt und weiter geht’s, ich war ok!

Bis Tinteniac (360 km) weite Strecken mit einem italienischen Pärchen gefahren, irgendwann wurde der Mann müde und wir wechselten uns im Wind ab. Herrlich, endlich mal mit jemandem länger quatschen! Aber mein geplanter Schlaf- und Essensstopp am Morgen trennte uns. Sie wollten noch 80 km bis zum Hotel-Stopp fahren.

  

 

Nach einem ausgiebigen, warmen Mahl als Solist knapp zwei Stunden in meinem wunderbar leeren, warmen Sechsbett-Zimmer aufgewacht. Zügig wieder los über die leere Verpflegung  Quedillac bis zur Kontrolle in Loudeac (440km).

  

Wassertürme waren ständige Begleiter, die ab und an echt hübsch waren, die Trikots oft Aushängeschilder von Städten oder Ländern. Hier Ilse aus Belgien getroffen, gemeinsam plaudernd und abwechselnd in der Führung haben wir Dampf gegen die Wellen und den schwachen Gegenwind gemacht.

Die Verpflegung in Quedillac leer. In Loudeac, was ein Spalier von Schaulustigen durch die der Weg zur Kontrolle mäandrierte. Warmes Essen oder Self Service, wenn´s schnell gehen soll. Es sollte schnell gehen.

Hier habe ich die ersten deutlich sichtbar Erschöpften gesehen. Wer sonst würde in der prallen Sonne ein Nickerchen machen, wenn es wunderbaren Schatten nur ein paar Meter entfernt gibt?!?

Zum Glück war es warm und nicht heiß!

 

In Loudeac Arun aus Indien zum ersten Mal getroffen. Von 22 Brutto-Stunden habe ich 4 Stunden Pause gebraucht und bin 440 km weit gekommen, ok!

Ab jetzt war ich immer in kleinen wechselnden Gruppen unterwegs, die Suche nach DER Gruppe hatte ich längst  aufgegeben. Dafür gaben sich die Menschen am Streckenrand echt Mühe, uns zu unterhalten: MTB-Stunts und tanzende Mädchen zur Radiomusik. Nicht nur zu ihnen „Merci“ gerufen, den Daumen gereckt, abgeklatscht oder gewunken, ich kam mir manchmal vor wie ein Präsident auf Staatsempfang!

 

 

Minimale Französischkenntnisse helfen, dem Ruf "Gâteau" bin ich dankend gefolgt!

In St. Nicolas (485km) wurde aus der Verpflegung die „Geheimkontrolle“, die hatten Baguettes mit Mayo und Hühnchen, hmmmmm. Die Anstiege werden langsam länger.

Carhaix (515 km) in der Dämmerung erreicht. Vorbei an einer kleinen Schlange fürs Menü ins Schnellrestaurant nebenan gewechselt und ein Baguette und so (Croissant, Cola, Tarte, Kaffee . . . ) gekauft. Nachttauglichkeit hergestellt und dann nix wie los, dem Dach der Tour entgegen. Immer im Kopf, Zeit gutmachen für den Rückweg und nicht an Kontrollen verbummeln, hier funktionierten die Taktik-Mantras noch und gaben Sinn. 

Hier schon ein wenig in Eile gewesen, die Sorge vor Zeitstress saß - unbegründet - im Hinterkopf´, aber nicht im Nacken. Aber höchstens an den Kontrollen habe ich so empfunden, denn beim Fahren war lockeres, genussvolles Pedallieren angesagt - locker den Speed hoch halten oder es geht gar nicht.

Ab hier hab ich bewusst einzelne Randonneure wahrgenommen, die schon auf dem Rückweg waren!!!!!

Dem Radsport hat man in Carhaix ein Denkmal gesetzt, die Bretagne ist ein wahrer Radsport Hotspot! Kein Wunder: PBP seit 1891 und auch immer mal wieder fährt die Tour de France durch die Region.

Auf der längsten Steigung hinauf zum Roc’h Trévezel mit knapp 400mNN muss ich meine nette Gruppe ziehen lassen, mein Magen meldet sich und das Riopan Gel ist hinten in der Arschrakete . . . .  also Stopp am Wegesrand.

Alle, die bei mir vorbei kamen, haben ihre Hilfe angeboten. Genau wie bei jedem, der irgendwo anders stand. By the way, wer Verunfallten hilft, bekommt eine Zeitgutschrift; Brevets eben ein mit- und kein gegeneinander. 

Oben im Dunklen gab es aus einigen Campern heraus super gute Verpflegung durch nette Franzosen, die einem jeden Wunsch erfüllten; ab hier bin ich erst einmal auf Kräutertee mit Milch umgestiegen. Die Nacht war warm, kein Regen bisher - Wahnsinn!

An uns vorbei schossen nun ständig kleine Gruppen von Randonneuren auf dem Rückweg. Auf der Abfahrt rochen wir kurz die salzige Meeresbriese, bis der Lebendtier-Transporter mit dem Schweineduft unsere Sinne betäubte.

Auf der z.T. rasenden Abfahrt Richtung Brest kam die Müdigkeit. Aus zunächst einigen schweigenden Franzosen wurde eine große Gruppe Schweiger, wortlos hielten sie die Gruppe perfekt zusammen. Gut, nachts nicht alleine zu sein, aber müde und in größerer Gruppe schnell bergab zu fahren, ist eine mentale Anstrengung. All das konnte mir den kurvigen Kurs im Dunklen, der auch immer wieder Steigungen parat hielt, ohne Blick auf den Atlantik und ohne Bild von DER Brücke nicht schöner machen. Als dann in der Stadt noch finale Rampen bis zur Kontrolle kamen, war ich bedient und platt!

Brest erreicht, gut 600 km gut 30 Stunden, so schnell war ich noch nie bei einem 600er! Doch wie jetzt weitere 600 km mitten im ersten großen Tief weiter fahren?!?

R E T O U R

Erfahrungen

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