DIY - Brevets 2021

 

super Randonnee

RHEINGOLD

gut 600 km

mit ü 10000 HM

 

Nach den tollen Erfahrungen auf der SauBerLand-Achterbahn im letzten Jahr, dem krönendem Abschluss der ersten Corona bedingt selbst organisierten Brevet Serie, tauchte passend zur Verlängerung der Corona-Maßnahmen im Januar 2021 ein neuer Stern am super Randonnee Himmel auf: RHEINGOLD, zusammengestellt maßgeblich von Kaloo des ARA Niederrhein.

Mitreisende waren schnell gefunden, doch je näher der Termin kam, desto mehr verflüchtigte sich das Vorhaben. Erst waren größere Teile vom katastrophalen Unwetter betroffen und machten das Durchfahren moralisch und faktisch unmöglich, dann bröckelten die Mitfahrer weg, - ach ja - und das Wetter war alles andere als sicher.

Kurz bevor sich mein Zeitfenster schloss gab es einen neuen Track zur Umfahrung des Katastrophengebietes, das Wetter stabilisierte sich für das letzte freie Wochenende und die Idee reifte, alleine zu starten. Der Bahnstreik warf noch einmal Anfahrtspläne über den Haufen, doch das Buchen von zwei Übernachtungen machte den Start fix! 3 x 200 km sollten es werden.

 

Der Start am Freitagmorgen in Koblenz imposant, weil die wilhelminisch geprägte Gestaltung des Deutschen Ecks mich überrascht hat – mit interessanter Geschichte. Gerade als der Verkehr in der Stadt zu nerven begann, zweigte der Track in das GRÜN des Westerwaldes ein und die Stadt war sofort vergessen – nach gefühlten 10 min. Fahrtzeit!

 

Das blieb bis zum Limes-Turm so - wunderbar einsame Straßen! Dann kam die Lahntal-Querung, spektakulär in Steigung(en) und Panorama.

 

Richtung Katzenellenbogen beginnt der Taunus sanfter und offener, die Zersiedlung nimmt mit der Nähe zu Frankfurt zu. Dann taucht gut sichtbar in der Ferne der erste der 3 800er auf.

Der Große Feldberg überraschend zersiedelt aber gut zu befahren. Seine Abfahrt brachte an diesem heißen, diesigen Tag die erste echte Abkühlung. Das Wellenreiten im wunderschönen Taunus kostet ganz schön Körner und endete gefühlt bei der langen Abfahrt Richtung Lorch, bei der das Grinsen nie aus dem Gesicht wich.

 

Dabei war die Abfahrt ins Rheintal doch nur die Ouvertüre für den letzten, eigentlich „überflüssigen“ Hügel, liegt Bingen doch am Rhein.

Der Ausflug in die Weinberge typisch für die Region: die Auffahrt auf der sanfteren Nordseite ein Wald-Wiesen-Dorf-Mix, die steilere Südseite gehört dem WEIN und dem sonnenuntergangs Panorama!

Mit der Pendelfähre – Mary Roos – nach Bingen – ein etwas in die Jahre gekommener Touristenort mit langer Geschichte, die nicht sofort ins Auge fällt. Jenseits des Rheins wartet der Hunsrück!

Kaltstart am Samstagmorgen!

Wer etwas von "sanfterem Nordhang" schrieb wusste nichts vom Bingener Nordhang - der war zu Beginn sacksteil! Auf verwunschen, einsamen und später meist offeneren Wegen unspektakulär schönen Wegen zum zweiten 800er - dem unmarkanten Erbeskopf. Dessen Steigung nach ist er eher ein Rollerberg.

Oben weite Blicke vom zweit höchsten Berg des Taunus und Radarkuppeln nebst skurrilen Gebilden auf der Aussichtsplattform.

 

Und mensch fährt so runter und freut sich über die andauernde Freisetzung der Hangabtriebskraft auf super Straße, biegt um eine Kurve bergab und PÄNG – volles Moselschleifenpanorama HAMMER!!! Nicht nur ich habe zum Bildermachen angehalten (bitte Bild anklicken).

Mit Gluthitze durch das Mosel Tal war schon hart, doch die Eifel empfing den müden Randonneur mit der unerwartet sanfteren Vulkaneifel auf ausgesuchtesten Nebenstrecken im grünen Nichts.

Etwas Rummel bei den Maaren, doch u.a. der wunderbare Kosmos Radweg Richtung Daun schneidet das weg.

Langsam zehrt das ständige Rauf und Runter, da entlässt der Track uns aus der Einsamkeit in die Annehmlichkeiten einer Stadt – die Eisdiele in Gerolstein rief. In der untergehenden Sonne verstreute Vulkanhügel auf der Suche nach dem Hotel nach der letzten Kontrolle in Auel für den Tag!

 

Hillesheim, außer duschen, essen und schlafen wollte ich da nix.

Am Sonntag startet der Abschnitt bis zur Hochwasserumleitung ab Ripsdorf wie der gestern Track aufgehört hat, ein sanfteres Auf und Ab durch wunderbare Landschaften in der noch frischen Morgensonne. Langsam werden die Täler dann tiefer.

Trotz Umfahrung der Katastrophenregion sind einige Schäden zu bemerken, der Radweg an der Nohner Mühle musste komplett neu aufgeschüttet werden.

Die Landschaft wird Richtung Ernstberg, der zweit höchsten Erhebung der Eifel wieder offener und konturierter, es geht in Richtung des letzten der drei 800er in der Hocheifel. Als dem (Rad am) Nürburgring verfallenen Ringgeist habe ich das Geräusch der Nordschleife für die nächste Zeit genossen: hörbares PS-Testosteron! Verrückt, wie oft ich dort war doch die verwunschene Südschleife, in wenigen Teilen gerade noch befahrbar und von der wunderbaren Landschaft habe ich nichts bemerkt.

 

Der Fußmarsch auf den letzten sehr sehr steilen Meter zum Denkmal eine willkommene Abwechslung der Bewegung. Inklusiv der Bände sprechenden Blicke von überraschten Wanderer, "Was macht denn der alte Mann mit dem Rennrad hier auf dem Wanderweg?!?"

Im Nachhinein hab ich mich besonders hier schon geärgert. Warum nicht "noch schnell" hoch und schauen? Aber durch die langen Zwangspausen der Hotelübernachtungen war ich darauf angewiesen möglichst wenig Pausen zu machen - da kam schon ein wenig Hetzte auf. Und da ich nicht schneller fahren konnte mussten die Standzeiten kurz gehalten werden; siehe Erfahrungen.

Eine echte Erholung danach die echt rasante und technische, lange Abfahrt Richtung Mayen. Dort die Bequemlichkeiten einer Stadt genossen.

Dann in der Osteifel das Träumchen: der flache Bahn-Radweg gefühlt bis zur liebreizenden Burg Elzt – endlich mal Kilometer machen und der Wind ist mit dir.

Und wenn du denkst, da kommt nix mehr, dann biegst du nichtsahnend in Metternich Richtung Mosel ab und fährst einsam, kurvenreich und wunderschön von gefühlt fast mittelalterlicher Kulisse bergab bis zum touristischen Hotspot Hatzenport an der Mosel.

Das Flachstück am Wasser der Auf Galopp zum Crescendo im Hunsrück grob gesehen der letzte Hügel des Tages. Im Detail ein steil beginnender Anstieg mit kleinen „Auflockerungen“ in der Abfahrt, die gegen Ende von Panoramen garniert sind – Loreley-Blick und Co einfach nur WAU!

Die nächsten flachen 15km am Rhein gehören der Zeitfahrhaltung oder dem Grinsen je nach Gusto. Kurz durch das wuselige Boppard, dann zweigt die Straße zum Gideons-Blick ab, erst steil, dann flacher und in der Abenddämmerung immer heller werdend dem Ziel entgegen – und dann leuchtet die Rheinschleife – geschafft!

 

 

Meine Erfahrungen

Das kostenfreie Parken in Boppard über das Wochenende hat gut funktioniert, es gab aber nur noch einen freien Platz am Freitagmorgen um 8 (am alten Sportplatz 3), ob es dann bei der zweiten Möglichkeit (Parkhaus P1, in der Marienbergerstraße kostenfrei NUR auf dem oberen Deck) noch einen gegeben hätte?!? Die Infos stammen aus der Tourist Information Stand 2021.

Die Strategie, mit zwei gebuchten Übernachtungen und einer gedrittelten Strecke homologiert zu starten, ist ein zweischneidiges Schwert: Ja, mensch hat weniger Gewicht am Rad und zusätzlichen Komfort bei der Übernachtung, der bei der Hitze an meinem Wochenende sehr hilfreich war. Muss sich aber auf der anderen Seite sputen, um die Hotels etc. in der zu den Öffnungszeiten kompatiblen Uhrzeit zu erreichen. Da fallen von 24 Stunden potentieller Fahrtzeit in der Regel ca. 12 Stunden weg (von 20 Uhr bis 8 Uhr). Um das Zeitfenster zu strecken hatte ich vorher nachgefragt: ein späteres Ankommen ließ sich problemlos absprechen; ein vorverlegtes Frühstück nicht (Bingen: Hotel Rheingau Frühstück 7:30 ok, Hillesheim: Zum Amtsrichter, Sonntagsfrühstück 8:30), wäre aber zusätzlich hilfreich, ist die Strecke doch recht hügelig. So blieben ca. 14 Stunden Reisezeit pro Tag, was einem brutto Schnitt für die 600km knapp unter der geforderten Brevet Durchschnittsgeschwindigkeit von 15km/h bedeutet. Starte ich erneut, z.B. um die Originalroute ohne Hochwasserschaden-Umleitung zu fahren und um mir noch mehr jenseits der Strecke anzuschauen, dann mit Übernachtung an Bord und einem anderen Zahnkranz. So bin ich aber gut mit der Übersetzung 34:30 durchgekommen und ich bin KEIN Bergfloh.

Track & Roadbook sind spitze und damit lässt sich problemlos planen und fahren, zumal noch weitere Wasserquellen etc. an der Strecke liegen. Deshalb wusste ich, dass ich längere Abschnitte vor allem am Sonntag nicht einfach an Wasser komme. Der Trinkrucksack für mich als Vielschwitzer bei Temperaturen jenseits der 30 Grad war dann Pflicht und leer wiegt er nicht und stört mich nicht.